Schéissendëmpel – Kraft des Wassers

Am Schiessentümpel mit seiner steinernen Brücke strömt das Wasser der Schwarzen Ernz über einige, große Felsblöcke, die im Bachbett liegen. Sie lassen sich vom fließenden Wasser nicht abtransportieren, sondern werden vom Sand, Kies und kleineren Gesteinsblöcken glatt geschliffen. Dieses Material stammt aus den geologischen Schichten der umliegenden Hänge und Plateaus. Es wird nur bei erhöhter Strömung transportiert und dabei abgeschliffen.

Sand und Kies schleifen die großen Felsblöcke beim Schiessentümpel ab. (c) NGPM Birgit Kausch

Blickt man bachabwärts, sieht man auf der linken Talseite steile Sandsteinwände. Hier fließt die Schwarze Ernz dicht an der Felswand, so dass am Hangfuß alles feinkörnige Material abgeschwemmt wurde und nur große Blöcke liegen blieben. Die rechte Talseite ist weniger steil und von Hangschutt bedeckt. Im Talgrund tritt Grundwasser aus, das als Trinkwasser genutzt wird.

Die schwarze Ernz hat die Schicht des Luxemburger Sandsteins hier fast vollständig durchschnitten. Während des Eingrabens hat sich das Tal durch Felsstürze verbreitert. Ein Teil des herabstürzenden Materials wurde von der Schwarzen Ernz abtransportiert, der Rest blieb an den Hängen als Hangschutt liegen.

Die Natursteinbrücke

Über den kleinen dreifingerigen Wasserfall an der Schwarzen Ernz rund 1 km flussaufwärts von der Ortschaft Müllerthal führt eine einbogige Natursteinbrücke. Diese Brücke zählt zu den am meisten fotografierten Sehenswürdigkeiten Luxemburgs. Erbaut wurde sie gegen Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts von J.P. Prommenschenkel (1843 – 1937) aus der nahegelegenen Ortschaft Christnach. Aufgrund ihrer Geschichte kann sie als Monument des historischen Tourismus bezeichnet werden. Ihre Bauweise und die künstlerischen Verzierungen spiegeln die romantischen Anschauungen aus den touristischen Anfängen der Region wider. So sind in zahlreiche Reliefs in den Sandstein eingemeißelt, die Tiere und Fabelwesen abbilden, wie Schnecken und Schlangenköpfe.

Der Schiessentümpel ist ein Monument des historischen Tourismus. (c) NGPM Raymond Clement

Als Grund für ihre Erbauung wurde angeführt, dass die Einwohner aus Christnach im Winter bei Hochwasser zu ihren Waldparzellen auf der anderen Flussseite gelangen konnten. Eine Vorgängerbrücke war dem Hochwasser zum Opfer gefallen. Die aufwendige Gestaltung, die Tatsache, dass die Schwarze Ernz selten über längere Zeit Hochwasser führt und dass um die gleiche Zeit die Staatsstraße durch das Tal gebaut wurde, lassen vermuten, dass noch weitere Beweggründe für den Bau der Brücke eine Rolle gespielt haben.

Eingemeißelte Schnecke (c) NGPM Elisabeth Medinger
Informationen zum Natur- und Kulturerbe